Die Firma nach Dubai zu verlagern klingt nach Nullsteuer und Neuanfang. In der Praxis bleibt der deutsche Fiskus aber oft länger im Spiel, als viele erwarten. Wer Wohnsitz und Gesellschaft in die Emirate verlegt, muss drei Themen vorab klären: den Wegfall der unbeschränkten Steuerpflicht, die erweiterte Steuerpflicht nach dem Wegzug und die Wegzugsbesteuerung auf Anteile. Werden sie übersehen, kommt die Rechnung Jahre später. Dieser Beitrag zeigt, worauf es beim Umzug ankommt.
- Ein Wohnsitz in Deutschland (Paragraf 8 AO) kann die unbeschränkte Steuerpflicht erhalten, selbst bei Abmeldung.
- Nach dem Wegzug kann Deutschland über die erweiterte beschränkte Steuerpflicht bis zu zehn Jahre bestimmte Einkünfte besteuern.
- Wer mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält, riskiert die Wegzugsbesteuerung nach Paragraf 6 AStG.
- Zwischen Deutschland und den VAE gibt es derzeit kein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen.
Wann endet die deutsche Steuerpflicht wirklich?
Die unbeschränkte Steuerpflicht endet nicht mit der Abmeldung beim Einwohnermeldeamt, sondern erst, wenn weder ein Wohnsitz noch ein gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland besteht. Beides ist in der Abgabenordnung geregelt, in Paragraf 8 und Paragraf 9 AO.
Ein steuerlicher Wohnsitz besteht schon dann, wenn Sie eine Wohnung in Deutschland jederzeit nutzen könnten, auch wenn das nur selten geschieht. Ein dauerhaft verfügbares Gästezimmer kann ausreichen. Entscheidend ist die tatsächliche Verfügungsmacht, nicht der Eintrag im Melderegister. Ein gewöhnlicher Aufenthalt entsteht, wenn Sie sich über mehr als sechs Monate in Deutschland aufhalten, auch mit kurzen Unterbrechungen. Bleiben Ehepartner oder Kinder in Deutschland, kann das ebenfalls als Hinweis auf einen fortbestehenden Wohnsitz gewertet werden. Wer mitten im Jahr umzieht, ist bis zum Ausreisetag voll steuerpflichtig (Paragraf 2 Absatz 7 EStG). Dokumentation ist hier das A und O.
Was bedeutet die erweiterte beschränkte Steuerpflicht?
Selbst wenn der Wohnsitz sauber aufgegeben ist, kann Deutschland nach dem Wegzug bis zu zehn Jahre lang bestimmte Einkünfte besteuern. Grundlage ist die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach Paragraf 2 des Außensteuergesetzes.
Sie greift, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Sie waren in den vergangenen zehn Jahren mindestens fünf Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, Sie ziehen in ein Niedrigsteuerland wie die Emirate, und Sie bleiben wirtschaftlich mit Deutschland verbunden. Die Schwellen sind konkret: 30 Prozent des Welteinkommens aus Deutschland, deutsche Einkünfte über 62.000 Euro im Jahr oder deutsches Vermögen über 154.000 Euro. Wird eine dieser Grenzen überschritten, müssen die betroffenen Einkünfte weiter in Deutschland erklärt werden. Genau diese Regel überrascht viele, die sich steuerlich längst verabschiedet glauben. Wer die steuerlichen Fallstricke nach dem Umzug vollständig nachvollziehen will, findet bei der international tätigen Kanzlei Urban Thier & Federer, die in Dubai eine eigene Repräsentanz unterhält, eine ausführliche Einordnung der Paragrafen des Außensteuergesetzes.
Überblick: Fristen und Schwellenwerte
| Regelung | Schwelle / Frist |
|---|---|
| Gewöhnlicher Aufenthalt (Paragraf 9 AO) | ab mehr als 6 Monaten Aufenthalt |
| Erweiterte beschränkte Steuerpflicht (Paragraf 2 AStG) | bis zu 10 Jahre nach Wegzug |
| Wegzugsbesteuerung (Paragraf 6 AStG) | 7 von 12 Jahren ansässig, Anteil ab 1 % |
| Doppelbesteuerungsabkommen DE/VAE | derzeit kein umfassendes Abkommen |
Warum kann der Wegzug GmbH-Anteile teuer machen?
Wer Anteile an einer deutschen Kapitalgesellschaft hält, etwa einer GmbH oder UG, muss die Wegzugsbesteuerung nach Paragraf 6 AStG beachten. Der Umzug ins Ausland wird steuerlich behandelt, als hätten Sie Ihre Anteile verkauft, obwohl kein Cent geflossen ist.
Die Regelung greift, wenn Sie in den vergangenen zwölf Jahren mindestens sieben Jahre in Deutschland steuerlich ansässig waren, Ihren Wohnsitz aufgeben und mindestens 1 Prozent der Anteile an einer Kapitalgesellschaft halten (Paragraf 17 EStG). Versteuert wird dann ein fiktiver Veräußerungsgewinn, also die Differenz zwischen Anschaffungskosten und aktuellem Wert der Anteile. Bei werthaltigen Beteiligungen kann das schnell sechsstellig werden. Auf Antrag lässt sich die Steuer in Raten zahlen oder stunden, besonders wenn der Wegzug nur vorübergehend ist (Paragraf 6 Absatz 3 und 4 AStG). Diese Stundung ist an Bedingungen geknüpft und sollte vor der Abmeldung geklärt werden, nicht danach.
Was folgt aus dem fehlenden Doppelbesteuerungsabkommen?
Zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten besteht derzeit kein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen. Das frühere Abkommen ist ausgelaufen und wurde nicht in vollem Umfang erneuert. Für Wegziehende hat das spürbare Folgen.
Ohne ein solches Abkommen gibt es keinen völkerrechtlichen Mechanismus, der eine doppelte Besteuerung automatisch verhindert. Werden Einkünfte sowohl in Deutschland als auch in den Emiraten erfasst, lässt sich der Konflikt nicht über Abkommensregeln auflösen, sondern nur über innerstaatliche Vorschriften wie die Anrechnung. Das macht die Planung anspruchsvoller als bei einem Umzug in ein Land mit funktionierendem Abkommen. Wichtig ist, dass Einkünfte sauber einem Land zugeordnet werden und Nachweise lückenlos vorliegen. Gerade die Kombination aus erweiterter Steuerpflicht und fehlendem Abkommen führt in der Praxis regelmäßig zu Streit mit dem Finanzamt.
Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Die steuerlichen Folgen eines Wegzugs hängen von der persönlichen Situation, der Vermögensstruktur und dem Zeitpunkt ab. Klären Sie die Themen Wohnsitz, erweiterte Steuerpflicht und Wegzugsbesteuerung vor der Abmeldung mit einem spezialisierten Steuerberater.
Häufige Fragen zum Umzug der Firma nach Dubai
Reicht die Abmeldung beim Amt, um die Steuerpflicht zu beenden?
Nein. Entscheidend ist, ob Sie tatsächlich über Wohnraum in Deutschland verfügen oder sich dort gewöhnlich aufhalten. Behalten Sie eine jederzeit nutzbare Wohnung, kann die unbeschränkte Steuerpflicht trotz Abmeldung fortbestehen.
Wie lange kann Deutschland nach dem Wegzug noch besteuern?
Über die erweiterte beschränkte Steuerpflicht bis zu zehn Jahre, sofern Sie in ein Niedrigsteuerland ziehen und die Schwellen bei deutschem Einkommen oder Vermögen überschreiten. Betroffen sind dann bestimmte inländische Einkünfte.
Wann fällt die Wegzugsbesteuerung an?
Wenn Sie mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft halten und in den vergangenen zwölf Jahren mindestens sieben Jahre in Deutschland ansässig waren. Es wird ein fiktiver Veräußerungsgewinn besteuert, auch ohne tatsächlichen Verkauf.
Schützt Dubai mich vor doppelter Besteuerung?
Nicht automatisch. Da derzeit kein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen besteht, gibt es keinen abkommensbasierten Schutz. Konflikte müssen über innerstaatliche Regeln gelöst werden, was eine sorgfältige Dokumentation der Einkünfte voraussetzt.
Fazit
Ein Umzug nach Dubai kann sich lohnen, aber nur mit Vorlauf. Wer Wohnsitz, erweiterte Steuerpflicht und Wegzugsbesteuerung erst nach der Abmeldung prüft, hat die wichtigsten Weichen schon falsch gestellt. Besonders Unternehmer mit Anteilen an einer GmbH sollten die Wegzugsbesteuerung früh durchrechnen, weil sie auch ohne Verkauf greift. Das fehlende Doppelbesteuerungsabkommen erhöht den Planungsbedarf zusätzlich. Die nüchterne Wahrheit lautet: Die Nullsteuer in den Emiraten ist real, aber der Weg dorthin führt durch das deutsche Außensteuerrecht.
Über die Redaktion: Die Redaktion von How2Dubai.de begleitet Auswanderer und Unternehmer auf dem Weg in die Emirate. Schwerpunkte sind Wohnsitzfragen, Firmenverlagerung und die steuerlichen Aspekte des Wegzugs aus dem deutschsprachigen Raum.
Quellen
Abgabenordnung, Paragraf 8 und Paragraf 9 AO
Außensteuergesetz, Paragraf 2 und Paragraf 6 AStG
Einkommensteuergesetz, Paragraf 17 EStG
Urban Thier & Federer Rechtsanwälte: urbanthier.de
Stand: Mai 2026













