Wer regelmäßig Medikamente nimmt und in die Vereinigten Arabischen Emirate reist, sollte sich gut vorbereiten. Die VAE haben strenge Zollvorschriften, die sich deutlich von europäischen Standards unterscheiden. Was in Deutschland frei verkäuflich oder legal verschrieben ist, kann am Flughafen in Dubai zu einer Kontrolle, einer Beschlagnahmung oder schlimmstenfalls zu einer Strafanzeige führen. Das klingt dramatisch, lässt sich aber mit dem richtigen Wissen gut managen.
Welche Regeln gelten grundsätzlich?
Die Einfuhr von Medikamenten in die VAE ist durch das Gesundheitsministerium des Landes, das Ministry of Health and Prevention (MOHAP), geregelt. Grundsätzlich dürfen Reisende Medikamente für den persönlichen Bedarf mitbringen. Die Faustregel lautet: maximal drei Monate Vorrat bei verschreibungspflichtigen Mitteln. Wichtig ist dabei, dass das Medikament im Heimatland legal verordnet wurde und die Menge zur Reisedauer passt.
Für viele Standardmedikamente wie Blutdruckmittel, Antidiabetika oder Asthmasprays reicht ein ärztliches Rezept kombiniert mit einem ärztlichen Attest in englischer Sprache. Dieses Attest sollte Diagnose, Wirkstoff, Dosierung und den Zeitraum der Behandlung enthalten. Ohne englische Dokumentation kann es am Zoll zu Problemen kommen, selbst wenn das Medikament eigentlich zulässig ist.
Besondere Vorsicht bei Betäubungsmitteln und Psychopharmaka
Hier wird es heikel. Viele in Deutschland verschriebene Medikamente fallen in der VAE unter die Kategorie der kontrollierten Substanzen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Opioidhaltige Schmerzmittel wie Tramadol, Oxycodon oder Codein
- Benzodiazepine wie Diazepam oder Lorazepam
- Methylphenidat (Ritalin), das bei ADHS eingesetzt wird
- Pregabalin und Gabapentin
- Bestimmte Schlafmittel wie Zolpidem
Für diese Substanzen ist eine spezielle Einfuhrgenehmigung zwingend notwendig. Diese muss vor der Reise beim MOHAP beantragt werden. Das geht online über das offizielle Portal des Ministeriums. Die Genehmigung wird in der Regel innerhalb weniger Werktage ausgestellt und sollte ausgedruckt zusammen mit dem Original-Rezept, dem ärztlichen Attest und dem Beipackzettel in der Originalverpackung mitgeführt werden.
Wer das ignoriert, riskiert nicht nur die Beschlagnahmung des Medikaments, sondern in schweren Fällen auch strafrechtliche Konsequenzen. In der VAE gelten Drogengesetze, die nach europäischem Maßstab sehr hart sind. Unwissenheit gilt dort nicht als mildernder Umstand.
Was in Deutschland nicht ohne Rezept zu haben ist
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte führt eine genaue Liste der in Deutschland als Betäubungsmittel eingestuften Wirkstoffe. Diese Liste deckt sich nicht vollständig mit der Klassifikation in den VAE. Es gibt Substanzen, die in Deutschland problemlos auf Kassenrezept erhältlich sind, in Dubai aber als stark kontrollierte Substanz gelten. Deshalb lohnt es sich, vor der Reise gezielt nachzufragen, sowohl beim behandelnden Arzt als auch bei der Botschaft der VAE in Berlin.
Praktische Vorbereitung vor dem Abflug
Eine gute Vorbereitung beginnt mindestens vier bis sechs Wochen vor der Reise. Wer kontrollierte Medikamente dabei hat, braucht die MOHAP-Genehmigung rechtzeitig. Wer nur Standardmedikamente mitnimmt, sollte trotzdem folgendes im Gepäck haben:
- Original-Rezept des Arztes
- Ärztliches Attest auf Englisch mit Diagnose und Wirkstoff
- Medikamente in Originalverpackung mit lesbarem Beipackzettel
- Wenn möglich: beglaubigte Übersetzung bei ungewöhnlichen Diagnosen
Wer sich über die Regelungen in verschiedenen Reiseländern informieren will, findet beim Apotheken-Atlas eine nützliche Übersicht zu den unterschiedlichen Vorschriften für Reisende weltweit, die zeigt, wie stark die nationalen Regelungen voneinander abweichen können.
Medikamente vor Ort kaufen: Was geht, was nicht?
Dubai hat ein gut ausgebautes Apothekennetz. In den Malls und Wohnvierteln findet man zahlreiche Apotheken, die international bekannte Präparate führen. Viele Medikamente sind dort ohne Rezept erhältlich, die in Deutschland nur auf Verordnung abgegeben werden. Das klingt praktisch, birgt aber Risiken: Selbstmedikation ohne ärztliche Abklärung ist in einer anderen Klimazone, mit geänderter Ernährung und anderen Stressfaktoren nicht unproblematisch.
Außerdem gibt es Präparate, die in den VAE schlicht nicht existieren, weil sie dort nicht zugelassen sind. Wer auf ein bestimmtes Generikum angewiesen ist oder ein Nischenpräparat braucht, sollte ausreichend Vorrat mitbringen und sich nicht darauf verlassen, das Mittel vor Ort zu finden.
Sonderfall: Homöopathika, Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte
Auch Homöopathika und Nahrungsergänzungsmittel sind nicht automatisch unkompliziert. Produkte mit Alkohol, bestimmten Pflanzenextrakten oder hohen Vitamin- und Mineralstoffdosen können bei der Einfuhr Fragen aufwerfen. Das gilt besonders für Produkte, deren Inhaltsstoffe auf der arabischen Verpackung nicht erkennbar sind. Grundsätzlich gilt: Alles, was medizinisch wirksam aussieht oder klingt, wird im Zweifelsfall genauer geprüft.
Medizinprodukte wie Insulin-Pens, Spritzen oder Inhalatoren sind in aller Regel unproblematisch, solange sie mit dem entsprechenden Rezept und Attest mitgeführt werden. Wer eine Insulinpumpe trägt, sollte außerdem ein technisches Datenblatt des Geräts dabei haben.
Fazit: Informieren lohnt sich, Raten nicht
Die VAE sind kein unkompliziertes Reiseland, wenn es um Medikamente geht. Wer gut vorbereitet reist, wird in der Praxis kaum Probleme haben. Wer darauf hofft, dass es schon gut gehen wird, riskiert seinen Urlaub oder Geschäftstermin. Eine hilfreiche Anlaufstelle für grundlegende Informationen zu Arzneimittelvorschriften ist auch die Weltgesundheitsorganisation, die internationale Standards zu Arzneimitteln dokumentiert und einen guten Überblick über global unterschiedliche Regulierungsansätze gibt.
Der wichtigste Schritt bleibt das persönliche Gespräch mit dem behandelnden Arzt und, bei kontrollierten Substanzen, der rechtzeitige Antrag auf Einfuhrgenehmigung beim MOHAP. Wer das beherzigt, kann in Dubai auf alle Medikamente zurückgreifen, die er braucht, ohne unangenehme Überraschungen am Zollschalter zu erleben.















